In Australien steht die Sonne mittags im Norden

Echte Neunkircher Buben sind auf der ganzen Welt zu finden. Karl Heinz Glaser, Jahrgang 1928, ist so einer. Als Junge war es sein Wunsch, einen Beruf zu erlernen, den man in der Fliegerei benötigt. Karlheinz lernte Elektriker und war dann später Technischer Angestellter in der Elektroabteilung des Neunkircher Eisenwerkes. Die Freizeit gehörte dem Flugsport. Fliegen und Flugzeuge haben Karlheinz sein bisheriges Leben begleitet. Hier ein paar Stationen. Mit 10 Jahren hat er beim Jungvolk Modelle gebaut. Mit 14 Jahren begann in der Ranschbach bei Ottweiler die praktische Ausbildung auf der legendären SG 38. Der Gleiter wurde mit 2 Gummiseilen, die rechts und links befestigt waren, bergab gestartet. Die Flugzeiten wurden mit einer Stoppuhr in Sekunden gemessen. 1945 wurde dann das Fliegen verboten.

Gilbert Grandvall, der Hohe Kommissar für das Saarland, erlaubte die Sportfliegerei ab 1949. Karlheinz Glaser und weitere Flugbegeisterte gründeten den Aero-Club Saar. 1954 wurde dann als Untergruppe der Aero-Club Neunkirchen gegründet, der dann die Richthofenhalle in Wellesweiler bezog. In diesem Jahr erwarb Karlheinz seinen Pilotenschein. Viele Flüge nach Frankreich und über die Bundesrepublik folgten. Streckenflügen mit Hochleistungsseglern waren vor 1989 durch den „ Eisernen Vorhang“ Grenzen gesetzt. Hans Werner Grosse aus Hamburg, hielt lange Jahre den Streckenrekord mit 1.400km, von Hamburg nach Biarritz an der Biscaya.

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Australien war ab 1970 der Geheimtipp für Streckenflieger im Segelflug. New South Wales im Süden Australiens, besteht aus weiten flachen Grassteppen, die sich mit wüstenähnlichen Gebieten ablösen. Für Segelflieger ideale Notlandebedingungen. Karlheinz hat sich also nach Narromine, ein Mecca für Segelflieger aufgemacht. Bei seiner Ankunft am Flugplatz, wurde abends an einem kleinen Schwimmbad, eine Besprechung über die geplanten Flüge des nächsten Tages durchgeführt. Sie endete damit, dass plötzlich eine Sandviper von 1,50m durch das Schwimmbad auf die Gruppe zukam. Also jeden Morgen die Flugzeuge kontrollieren, ob sich kein blinder Passagier versteckt hat. Das wäre in der Luft peinlich gewesen.

John Rowe der damals alle Weltrekorde im Streckenflug hielt, war der Sportzeuge von Karlheinz. Die Orientierung und Streckenplanung in einem menschenleeren Gebiet ist nicht gerade einfach. Es gab dort nur schnurgerade Bahnlinien und Straßen. Also ging der Flug entlang der Bahnstrecke bis diese in der Ferne eine Straße kreuzt. Jetzt der Straße nach bis diese wieder eine Eisenbahn trifft. Dann wieder der Schiene folgen bis zum Flugplatz. Der Flugweg hat die Form eines großen Dreiecks und entspricht einer Strecke von mehr als 500km. An den Kreuzungspunkten Bahn-Straße waren aus der Ferne schon riesige Silos zu sehen. Dort lieferten die LKW Getreide an, das von der Bahn übernommen wurde. Getreide durfte vor 1980 nicht über die Straße transportiert werden.

Um bei einer Außenlandung die Sprachschwierigkeiten zu überbrücken, hatte Karlheinz einen Brief dabei, der eindeutig erklärte, wer und wohin der Mann mit dem Flugzeug in der einsamen Steppe war und wollte. Der erste Tag endete in 280km Entfernung am Boden. Karlheinz konnte über Funk ein Motorflugzeug verständigen, das ihn dann zurück zum Platz zog. Am zweiten Tag endete der Flug nach 320km in der menschenleeren Wüste. Wieder mit dem Motorflugzeug zurück. Dritter Tag. Heute sah das Wetter gut aus. Eine Wolkenstraße mit Cumuluswolken entlang der Strecke. Erster Wendepunkt ebenfalls ideale Schönwetterwolken. Zweite Wende, schönste Wolken bis zu Zielflughafen. John Rowe gratulierte und Karlheinz durfte seiner Gold-C einen Diamanten anfügen. Übrigens, der berühmte Brief kam nie zu Einsatz, da alle weiteren Flüge in Australien dort endeten wo sie sollten. Dass die Sonne im Norden statt im Süden steht, ist nicht einfach umzusetzen.
Karlheinz ist Ehrenmitglied des Aero-Club Bexbach und das letzte lebende Gründungsmitglied der Fliegerei im Saarland.
Die Fliegerei in Bexbach hat Karlheinz sehr viel zu verdanken und er ist ein Vorbild für die jungen Piloten des Vereins.

geschrieben von: Herbert Marx

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