DIE GESCHICHTE DER FLIEGEREI IN BEXBACH

1911 - Flugtag in Neunkirchen

Saarbrücker Flugsportler gründeten im August 1908 einen Verein und wollten im Sommer 1911, anlässlich der Großstadtwerdung, mit einem Großflugtag auf den St. Arnualer Wiesen an die Öffentlichkeit treten.

In Verbindung mit dem Verein Borussia Neunkirchen, der gerade das Ellenfeld-Stadion eingeweiht hatte, beschloss die Stadt Neunkirchen, einen eigenen Flugtag zu organisieren. Der bekannte Kunstflieger Bruno Werntgen aus Koblenz konnte für diese Veranstaltung gewonnen werden.

Die Werbetrommel war gerührt und ganz in der Nähe des Ellenfeld-Stadions fand die Flugveranstaltung statt. Mehr als 30.000 Zuschauer warteten an den Hängen zwischen Spieser Höhe und Ellenfeld, um das flugsportliche Ereignis zu erleben. Drei Mal versuchte der Pilot sein Flugzeug auf einer Strecke von 135 m zu starten, was jedoch misslang. Die Veranstaltung wurde daher um zwei Tage in das Wellesweiler Wiesental nahe der Blies verschoben.

Das Flugzeug hob beim ersten Versuch ab und Albrecht Menzel flog mit Pilot Werntgen über Bexbach und Neunkirchen.

1929 - DLV-Stützpunkte in Neunkirchen

Der DLV (Deutscher Luftsport Verband) bildete 1929 in Neunkirchen die Stützpunkte Ottweiler, Landsweiler, Neunkirchen und Wellesweiler.

Bild_05Vitus Day, Werner Wolfanger, Walter Eisenbaus und noch einige Herren mehr waren die Gründungsmitglieder des DLV-Stützpunktes Wellesweiler.

Mit dieser Mannschaft wurde beschlossen, ein Flugzeug mit Stahlgitterrumpf – einen „Zögling“ – in der Werkstatt „Rohrbach“ in der Steinwaldstraße zu bauen.

ab 1930 - erste Gleitflüge in Bexbach

Ab 1930 gelangen den Bexbachern auf dem Heidenhügel, wo sie die Nachbarn der Wellesweiler Pioniere waren, die ersten Gleitflüge.

Der neue Zögling wird eingeflogenEs wurden Starts von 30-40 Sekunden gemacht. Aber nicht an der Winde, wie heute… Mit reiner Muskelkraft musste ein Startgummi ausgezogen werden!

Und manchmal war der erste auch schon wieder der letzte Start und nach einer Woche Arbeit ging es am nächsten Wochenende weiter.

Untergebracht waren die Flugzeuge damals im Lager der Bexbacher Eisenhandlung Kirsch.

1930 - Taufe der Segelflugzeuge des Flugsportvereins Neunkirchen

Im Juni 1930 fand im Stummschen Park in Neunkirchen die erste Flugzeugtaufe statt!

Bild_03Unter großer Anteilnahme der Einwohner feierte der Flugsportverein Neunkirchen die Taufe seiner beiden Segelflugzeuge „Stadt Neunkirchen“ (Zögling 35) und „Lokarno“.

Die beiden Flugzeuge waren auf dem Platz vor dem Musikpavillon aufgestellt und trotz des regnerischen Wetters war der Park fast überfüllt.

Das Fest wurde durch Vorführungen von Flugmodellen und Kunstflugvorführungen mit zwei Motorflugzeugen verschönt und Bürgermeister Dr. Blank, als Vorsitzender des Flugsportvereins, hielt die Taufrede. Mit vielen guten Wünschen für die Sportfliegerei wurde zum Abschluss ein großes Feuerwerk abgebrannt.

Zu dieser Zeit bildete der Flugsportverein Neunkirchen bereits 35 Segelflieger aus.

1933 - Ausstellung "Luftfahrt tut not"

Unter dem Motto „Luftfahrt tut not“ fand am 22.09.1933 im ehemaligen Saalbau, Walsheimer Hof, eine große Flugzeug-Ausstellung preisgekrönter Modelle statt.

Bild_07Vitus Day und Walter Eisenbeis flogen zuvor mit einem gemieteten Flugzeug über Neunkirchen/Wellesweiler und warfen Flugblätter ab, um die Bevölkerung zur Ausstellung einzuladen.

1934 - Bau der Richtenhofhalle in Wellesweiler

Angeregt durch die Sprecher des DLV Kurt Rohrbach, Walter Eisenbeis und Vitus Day erwarb die Stadtgemeinde Neunkirchen Privatgelände in der Eisenbahnstraße, um es an den Fliegerhorst Wellesweiler zu verpachten.

Der Vertrag war auf die Dauer von 10 Jahren, beginnend am 01.01.1934 und endend am 31.12.1944, abgeschlossen.

1934 wurde auf diesem Gelände die 240 m² große Richthofenhalle  gebaut und 1936 ihrer Bestimmung übergeben. Interessierte Luftsportfreunde hatten nun einen Treffpunkt mit Werkstatt und einen Unterstellplatz für Flugzeuge.

Bau der Richtenhofhalle

Die Halle wurde übrigens komplett aus Altmaterial gebaut, das vom Neunkircher Eisenwerk zur Verfügung gestellt wurde.

1949 - Gründung Aero-Club Saar und Aero-Club Neunkirchen

Der Aero-Club Saar gründete sich am 22. Mai 1949 in Saarbrücken. Alle weiteren Vereine waren Untergruppen. Bis 1953 erfolgte eine Dezentralisierung in selbständige Ortsvereine.

Am 5. Juli 1949 trafen sich ehemalige Segel- und Motorflieger im Lokal Straßer in Neunkirchen zur Gründung des Aero-Club Neunkirchen.

Gruendungsliste

Vitus Day - Gründer und Urvater der Bexbacher Fliegerei

Vitus Day (schon vor 1930 dem Luftsport verbunden) wurde zum ersten Vorsitzenden gewählt.

Gemeinsam mit dem damaligen Bürgermeister der Stadt Bexbach, Herrn Allgayer, machte er die ersten Schritte zum heutigen Flugplatz. Vitus Day war bis zu seinem Tode 1973 Ehrenpräsident des Aero-Club Bexbach.

1950 - 1955 Entwicklung des Aero-Club Neunkirchen

Die Wellesweiler Richthofenhalle war durch die verschiedensten Untermieter während des Krieges in einem sehr schlechten Zustand und es bedurfte großer Anstrengungen, die Werkstatt und Unterstellmöglichkeiten für die Flugzeuge wiederherzustellen.

Nach Abschluss der Arbeiten wurde im Inneren der nun neuen Werkstatt die Helling für den Bau eines Bergfalken II aufgebaut. Für den Flugzeugbau in Eigenregie war Kurt Schneider als Werkstattleiter zuständig und der Bergfalke II wurde 1955 zur Schulung freigegeben.

In der renovierten Halle wurden auch Reparaturen an dem Motorflugzeug Klemm 35 sowie an den Segelflugzeugen Grunau-Baby und der SG 38 durchgeführt.

Nach den notwendigen Instandsetzungsarbeiten begannen am Hirschberg die Flugschulungen. Die Verlegung neuer Hochspannungsleitungen beeinträchtigten jedoch zunehmend die Fliegerei und machten auf Dauer weitere Starts unmöglich, sodass auf den Plätzen des Aero-Club Saar in St. Arnual und Ensheim geflogen wurde.

Miniaturwinde in Ensheim

1955 - Eintragung ins Vereinsregister

Im Februar 1955 wurde der „Aero-Club Neunkirchen e.V.“ ins Vereinsregister eingetragen.

1956 - erste Starts hinter der Bergenhalde

Bei der Suche nach einem neuen Flugplatz war Bürgermeister Nesseler dem Verein gegenüber sehr behilflich. Er brachte das Gelände hinter der Bergenhalde ins Gespräch.

Die ersten Windenstarts auf dem heutigen Fluggelände wurden am 29.04.1956 mit dem Grunau-Baby und der Rhön-Lerche zu Testzwecken gemacht und die Probeflüge ließen erkennen, dass ausgezeichnete thermische Verhältnisse vorherrschten.

Das heutige Gelände wurde teils gekauft und teils gepachtet und der Flugbetrieb im Herbst 1956 aufgenommen.

1960 - Zulassung & Einweihung des heutigen Flugplatzes

Captain Schwab, von den US-Pionieren aus Ramstein, übernahm die Anlegung des heutigen Flugplatzes. Ein riesiges Aufgebot von Maschinen war zur Planierung notwendig und an der Westseite des Platzes musste eine Kiesgrube zugeschüttet werden.

DIe heutige Segler-Halle im Rohbau

Die neue Halle wurde 1959/60 fertig gestellt und ist 34 m x 17 m groß.
In ihr wurden sieben Segelflugzeuge und das zweisitzige Motorflugzeug Klemm 35 untergebracht. Und auch heute noch beherbergt sie unsere Segler und Motorsegler sowie ein Motorflugzeug.

Die zuständigen Beamten der Regierung hatten am 02.04.1960 die Arbeiten überprüft und den Platz zugelassen. Es wurde die Genehmigung mit dem Status Flughafen Bexbach angestrebt – In der Zulassung wurde es jedoch leider nur „Sonderlandeplatz Bexbach“.

Im Juni 1960 fand mit einem großen Schauflugprogramm die Einweihung statt.

1961/62 - Bau des Clubheims

Durch viele freiwillige Arbeitsstunden der Mitglieder wurde das Clubheim an die Halle angebaut.

1964 - Namensänderung „Aero-Club Neunkirchen/Bexbach e.V.“

Aufgrund von Anregungen der Mitglieder („Wer in Bexbach fliegt, soll auch Bexbach im Namen haben!“) wurde die Namensänderung am 24. September 1964 im Vereinsregister vorgenommen.

1969 - 20. Jubiläum

Zum 20. Geburtstag wurde im Juni 1969 ein großer Flugtag veranstaltet.

Im Juli 1969 feierte der Aero Club Bexbach sein 20jähriges Bestehen

Fliegerische Demonstrationen aller Sparten leiteten die Festveranstaltung ein. Mehrere tausend Zuschauer erlebten einen ereignisreichen Tag.

Die Sparten Segel- und Motorflug, die Modellflieger, Ballonfahrer und Fallschirmspringer sorgten für ein buntes Programm. Für die Jugend startete der berühmte Flugplatz-Express (offener Flugzeuganhänger mit Sitzplätzen).

Bemerkenswert war die Teilnahme eines Gasballons, der mit 1.260 m³ Leuchtgas gefüllt war und einen Durchmesser von 16m hatte.

1974 - 25. Jubiläum

Der Doppelname „Neunkirchen/Bexbach“ hatte für den Verein an diesem Tag so seine Vorteile. Die Vertreter beider Städte überbrachten Grüße und Geschenke.

Im Clubheim und auf dem Fluggelände konnte Ernst Bach Landrat Schwarz und Bürgermeister Weber mit seinen Beigeordneten und Stadträten begrüßen. Für Neunkirchen kamen Bürgermeister Ewald Groß und, in Vertretung des Landrates, MdB Werner Wilhelm. Außerdem der Präsident des Aero-Club Saar Hugo Jordan sowie Vertreter der Flugsicherung, der Bundeswehr und die Verpächter des Fluggeländes.

Die gespendeten Geldbeträge wurden als Grundstock zur Anschaffung eines Flugzeuges benutzt, das den Namen „Bexbach“ tragen soll.

1978 - „Aero-Club Bexbach e.V.“

Mit Eintragung vom 15.02.1978 trägt unser Verein seinen jetzigen Namen „Aero-Club Bexbach e.V.“

1978 - erstes Flugplatzfest

Aus den Frühlings- und Sommerfesten entstand das Flugplatzfest, das bis heute ein fester Bestandteil der Aktivitäten des Vereines ist.

Zu Beginn des Festes nahm Bürgermeister Lothar Weber die Taufe des neuen, leisen Motorflugzeuges Robin (DR 400) auf den Namen „Stadt Bexbach “ vor. Das viersitzige Flugzeug hat 180 PS und sollte vornehmlich dem Schleppflug dienen.

Ein großes Rahmenprogramm gestaltet mit Schauflügen, Fallschirmabsprüngen, Heißluftballonfahrten und Vorführungen der Modellflugabteilung, sowie eine Großübung der Feuerwehr und des Deutschen Roten Kreuzes, die bei einem simulierten Flugzeugabsturz Erste Hilfe leisteten, ließen die Zuschauer einen abwechslungsreichen Tag erleben.

1994 - Die zweite Piste

1994 wurde zur Lärmminderung im Einvernehmen mit der Stadt Bexbach eine weitere Start- und Landebahn 04/22 beantragt und von der Regierung des Saarlandes genehmigt. Bei Ostwinden starteten von hier aus schon immer Segelflugzeuge an der Winde.

1997 - Umweltpreis des Aero-Club Saar

Die Auszeichnung wurde verliehen für die Leistungen im Umweltbereich: Die Anlegung der zweiten Start- und Landebahn sowie die Ausrüstung der Motorflugzeuge mit modernen Luftschrauben und Schalldämpfern, die ebenfalls für einen geräuscharmen Flugbetrieb sorgen.
Bei Westwinden ist die Lärmbelästigung für Anwohner und Blumengartenbesucher hierdurch stark reduziert.

1998 - Die zweite Halle

1998 wurde die zweite Halle für Motorflugzeuge und deren Wartung gebaut.

Heute sind dort das Schul-Motorflugzeug DR400 sowie das Schul-Ultraleicht-Flugzeug C42 und ein privates UL untergebracht.

Die DR400 vor der Motorflug-Halle

1998 - Brandstiftung im Clubheim

Das Clubheim brannte bis auf die Grundmauern nieder. Die Feuerwehr konnte nur mit Mühe das Übergreifen der Flammen auf die Halle verhindern.

Viele freiwillige Helfer beteiligten sich an der Schuttbeseitigung und dem Wiederaufbau, sodass das Clubheim 1999 wieder eröffnen konnte.

1999 - 50. Jubiläum

Die Feier zum 50. Jubiläum des ACB fand in der Bliestalhalle in Niederbexbach statt.

Schirmherr Minister Läpple und Vorsitzender Gerhard Haderstorfer sowie Landrat Lindemann, Präsident des Aero-Club Saar Otto Rothfuchs und der Bexbacher Bürgermeister Müller hielten Reden und sprachen Grußworte.

2009 - 60. Jubiläum

Das 60. Jubiläum des Aero-Club Bexbach wurde ganz im Stile des Flugplatzfestes gefeiert – es gab Motor- und Segel-Rundflüge, eine Modellbau-Ausstellung, Live-Musik von den Revengers und viele weitere bunte Programmpunkte. Pater Heinz Rosenkohl segnete außerdem im Rahmen eines Gottesdienstes unsere Flugzeuge.

HEUTE - Ein beliebtes Ausflugsziel!

Bekannt durch seine Flugplatzfeste und die jährlichen Winterwettbewerbe der Modellflieger wurde Bexbach weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt.

Auch dem Bodenpersonal ist es zu verdanken, dass das Clubheim mit seinem schön angelegten Vorplatz einen Sonntagsausflug wert ist. Christine sorgt für das leibliche Wohl, aber auch das fliegende Volk ist immer gerne bereit, Auskünfte zu erteilen.

Die Schnupperflüge mit vereinseigenen Flugzeugen gehören übrigens ebenfalls zum Programm.

Machen Sie sich selbst ein Bild und kommen Sie vorbei!

Poster der vergangenen Flugplatzfeste

1985
1988
1990
2015